Schlauchboot-Forum

Forum Forumsartikel Bilder / Alben Forumsregeln Mitteilungen und Fragen Tools Links Heutige Beiträge
Zurück   Schlauchboot-Forum > Schlauchboote und Aussenbordmotoren > Bootfahren in der Praxis

Bootfahren in der Praxis Tips für die Praxis des Bootfahrens

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #1  
Alt 11.10.2008, 19:51
Benutzerbild von Dieter B.
Dieter B. Dieter B. ist offline
Schlauchboot Profi
Treue-Sterne
 
Registriert seit: 19.05.2006
Beiträge: 8.875
Abgegebene Danke: 8.706
Erhielt 8.596 Danke für 2.404 Beiträge
Daumen runter Schon mal fast abgesoffen? Ich ja

Hallo ihr lieben!

Ich habe mal vor langer Zeit im anglerboard zwei Berichte eingestellt. Einer befasste sich damit, dass wir bald abgesoffen wären, mit all den begleitenden widrigen Umständen, die zu so einer Beinahekatastrophe führen.

Auch, wenn es Schlauchbootfahrers in dieser Form kaum passieren kann, meine ich doch, dass er interessant zu lesen und hilfreich sein kann. Passieren kann es überall. Darum jetzt auch mal hier:

>> Fast Havarie im Langelandbelt – Alles lief schief!

Der Anker saß richtig!

Es war im Mai vor einigen Jahren. Wir waren mal wieder zum Angeln in die Nähe von Spodsberg gefahren. Dabei hatten wir unser eigenes Boot, ein 4, 5 m langes offenes Doppelschalen Sportboot mit einem 35 PS Mercury mit Handstarter und Fahrstand hinten; zugelassen für 5 Personen.
Die zweite Crew, mein Sohn als Inhaber eines Sportbootführerscheins, war Bootsführer eines in Hafen gemieteten Angelbootes mit 30 PS AB. In beiden Booten saßen jeweils 3 Freunde.
Es war das schönste Wetter, was man sich vorstellen kann. Sonne und eine leichte Brise.
Gut, wir wussten, gegen Mittag frischt es eigentlich immer leicht auf. Aber wir waren so mit uns selbst beschäftigt und natürlich auch mit dem Glück des Fangerfolges, dass es erst gar nicht so richtig auffiel, dass die Wellenkämme begannen zu gischten.

Beide Boote hatten Anker gesetzt und wir holten einee Scholle nach der anderen hoch.
Wir standen etwa 1 sm Ost-nord-östlich vor Spodsbjerg zwischen dem Gelbpfahl „Spodsbjerg SE“ und der Grüntonne „DW 53“, also nur so 2 km draußen.

Anker hatten wir gesetzt, weil die Strömung nordwärts so stark war, dass wir innerhalb kürzester Zeit Hunderte von Metern trieben.
Die Strömung im Langelandbelt kann SO STARK sein, dass das Wasser vorn ab Bug rauscht bei stehendem Boot und fest haltendem Anker. Man glaubt es kaum, aber es ist so.
Der Wind blies aus Norden! Das Boot stand auch Richtung Norden. Also eigentlich richtig!
So, ich schaute mich um und erschrak fast ein wenig. Auf geschätzte 4 bis 5 bf hatte es bestimmt aufgefrischt. Schaumkronen auf dem Wasser sind aus Sicherheitsgründen für mich immer ein Grund entweder an Land zu bleiben oder an Land zurückzufahren.
Das zweite Boot hatte schon Anker eingeholt und kam rangefahren. Wir packten ein, ich startete den Motor und d a n n kam das Signal an den vorn sitzenden Kollegen: „Anker hoch!“
Er bemühte sich, aber der Anker bzw; das Seil bewegten ich kein Stück.
Nun ist es ja bekanntermaßen so, dass das Boot im Wind am Ankertau treibt, das war jetzt auch so.
Ich fragte noch: „Siehst du das Seil?“, „Nein“ war die Antwort. Ich schaltete immer noch nicht!
„Gut“, ich wieder, „dann fahre ich dir ein Stück entgegen.“
Gesagt getan – und das war der Fehler!!
Die Unterströmung war derart stark, dass das Boot zwar im Wind trieb, aber der Anker weit hinter uns fest saß. Das Ankerseil war UNTER DEM BOOT. Das hört sich jetzt vielleicht unbegreiflich an, war aber so.
Denn jetzt gab es einen Knall, der Propeller verhakte sich im Ankerseil und blieb stehen. Damit blieb auch der Motor stehen. In der Strömung drehte sich das Boot rückwärts in die Wellen und mein Motorschaft war Festmachepunkt des Ankers am Boot geworden.
Ehe ich überhaupt richtig begriff was los war, kamen etwa 3 Wellen rückwärts ins Boot gerollt, da es ja auch hinten noch nach unten gezogen wurde.
Glücklicherweise löste meine Automatik - Rettungsweste nicht aus, weil ich dann noch unbeweglicher geworden wäre.
Alles schaute sich ungläubig an, die Fische begannen im Boot zu schwimmen. Es war für einen kurzen Moment eine unwirkliche Stimmung und Situation.
Ich machte einen Hechtsprung nach vorn und damit war das Boot kopflastig geworden und zwar durch uns drei, aber insbesondere von inzwischen im Boot befindlichen Wasser. Dort hat jedes Boot bekanntlich auch den größten Auftrieb.
Nun war aber erst einmal die Lage insofern entspannt, dass das Boot hinten so hoch stand, dass n o c h keine Wellen mehr überkamen.
Nur, es frische immer mehr auf. Nach hinten springen, um das Seil vom weit außerhalb des Bootes befindlichen abgeklappten Motorschaft abzuschneiden, war zunächst unmöglich, weil sonst noch mehr Wasser ins Boot kommen würde.
Ach ja, und hinten unter dem Sitz befanden auch alle Kommunikationsmittel, auch die Seenotraketen. Nur dort konnte jetzt erst einmal niemand hin.
Es kam der Gedanke auf, nacheinander ins andere Boot zu springen. Gut, dass wir den Gedanken schnell wieder verworfen haben.

Während der ganzen Aktionen schöpften meine beiden Mitfahrer kräftig Wasser. Aber, es war so viel, man merkte es kaum.

Das andere Boot übergab uns eine Leine und wir befestigten es vorn an der Öse.
Vielleicht hätten ich jetzt unser Ankerleine vorn einfach abschneiden sollen. Möglicherweise wäre das Seil vom Propeller abgerollt. Aber ich kam in dem Moment nicht auf diese Idee.

Dann zog das andere Boot stramm an und unser Boot geriet dadurch fast in die Waagerechte. Ich hatte mir ein Filiermesser geschnappt, bin nach hinten gehechtet und habe das Seil durchgeschnitten.

Hätte ich doch bloß auch dieses unwichtige Messer gleich mit weggeschmissen. Aber nein, es musste wieder mit zurück und dabei habe ich mich auch noch heftig geschnitten. Wie das Wasser im Boot nun bald aussah, wenn eine Wunde im kalten Wasser blutet, möchte ich vermeiden zu schildern..
Aber wir waren frei und wurden langsam Richtung Spodsbjerg an Land geschleppt. Unterwegs schöpften wir zu dritt kontinuierlich das Wasser aus dem Boot.

Danach konnte ich wieder nach hinten gehen und zog den Motor an. Der tat so, als wäre nichts gewesen und sprang sofort an.

Die Schleppleine ab und ziemlich geschockt mit eigener Kraft zurück.

So, der Bericht ist insofern beendet, als dass letztendlich doch alles gut gegangen ist. Nur, seit der Zeit haben wir nie wieder im Langelandbelt geankert. Mein bester Freund saß damals mit im Boot. Mit ihm war ich 2005 auf den Lofoten . Wenn ich ihm sage, ich würde jetzt lieber zurückfahren, reißt er förmlich seine Angel aus dem Wasser, und es gibt niemals eine Diskussion, ob nicht doch noch ....und man könnte doch noch und oder so.

Bilder gibt es leider nicht. Daran hat in der Situation auch auf dem zweiten Boot niemand gedacht.

Nun bitte keine Diskussion darüber, was alles falsch gelaufen ist, das weiß ich selber.
Wenn ich’s mir so recht überlege, bin ich eigentlich froh, dass ich diesen Bericht noch schreiben kann.
Das Wasser war a...kalt und wer weiß wann sie an Land auf uns aufmerksam geworden wären. Und gut, dass das zweite Boot dabei war.

Ach so, das Boot war unsinkbar und wir wären auch am Boot geblieben. Das ist auch sehr wichtig! Bloß möglichst, solange es die Kräfte zulassen, am Boot bleiben!


Immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel !



Dieter<<<

Und nun frei zur Diskussion .
__________________
Gruß Dieter, der, der mit seiner Koreapelle absolut glücklich ist!


Mit Zitat antworten
Folgender Benutzer sagt Danke zu Dieter B. für den nützlichen Beitrag:
Olympus_FRI (22.03.2015)
  #2  
Alt 11.10.2008, 20:18
Benutzerbild von brando
brando brando ist offline
ich hab Zeit
Treue-Sterne
 
Registriert seit: 08.12.2004
Beiträge: 10.224
Abgegebene Danke: 6.802
Erhielt 11.056 Danke für 2.848 Beiträge
Standard

Zitat:
Zitat von Dieter B. Beitrag anzeigen
Nun bitte keine Diskussion darüber, was alles falsch gelaufen ist,


.
Nein Dieter, ganz sicher bekommst Du von mir in dieser Richtung keine
"schlauen" Hinweise.

Wenn man in solche brenzligen Sitiationen kommt, handelt man instinktiv
und erst hinterher ist man schlauer und trifft für die Zukunft noch mehr Vorkehrungen - aber leider kommt es dann doch wieder ganz anders als man denkt.

Man muss seine eigenen Erfahrungen sammeln, überleben und danach handeln. Wie schön übt man in der Fahrschule das MOB aber ich hab mir schön öfter gedacht, dass das aufnehmen einer Person bei Seegang ein sehr
anspruchsvolles Manöver werden könnte. Schmeisst doch mal bei 1 Meter Welle und Wind 5 irgendetwas über Bord und versucht es wieder aufzunehmen.
__________________
Gruß

Jörg und Sandra
---------------------------------------------------

Boot: Ribcraft 585PRO/Yamaha F150 / Harbeck Alu 2T Zugfahrzeug BMW x3
WOMO Hymer B575 auf Sprinter
Schlauchlegende:Paddel-Schlauchi 3m Metzeler Juca 5PS Yammi, Zodiac Cadet 340 15PS Evinrude,Quicksliver-Rib 450 Mercury 60PS 2T
Falcon 640 Yamaha F200
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 11.10.2008, 20:20
4711
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Hallo Dieter,
ein Bericht zum Nachdenken!!!!!

Danke.
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 11.10.2008, 21:03
Benutzerbild von ThomasW
ThomasW ThomasW ist offline
einfach nur Bootfahrer
Treue-Sterne
 
Registriert seit: 21.03.2008
Beiträge: 1.928
Abgegebene Danke: 1.278
Erhielt 1.531 Danke für 573 Beiträge
Standard

Zitat:
Zitat von Mutti Beitrag anzeigen
..ein Bericht zum Nachdenken!!!!!
Das trifft den Nagel auf den Kopf!

Dieter,

beim Lesen ist es mir eiskalt den Rücken runter gelaufen und hoffe nur, niemals in so eine Situation zu geraten. Wenn doch, so werde ich mich (hoffentlich) an deinen Bericht erinnern und (schon wieder hoffentlich) richtig reagieren.
__________________
Gruß Thomas

Boot: Shetland 536, Motor: E-Tec 90, Trailer: Brenderup B018B
Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 11.10.2008, 21:45
Dicke Lippe
Gast
 
Beiträge: n/a
Daumen hoch

Dieter!

Danke!

Genau das ist es, was das Forum so wertvoll macht. Ungeachtet der Tatsache evt. dumme Sprüche auf sich zu ziehen, eine solche Situation für andere zu beschreiben.

Das ist etwas anderes als irgend so einen Zeitungsbericht zu lesen mit dem üblichen -was-wann-wo-, da bleiben dann nur unbeantwortete Fragen. Hier liest man von einem Bootsfreund und setzt sich so automatisch mit der geschilderten Lage gedanklich auseineinder, die man sonst nur allzugerne so schnell wie möglich verdrängt.

Schon durch dieses "Sichdamitbeschäftigen" hat man, kommt man selbst auch mal in eine solche Situation, schon einen Erfahrungsvorsprung und kann einfach besser damit umgehen. Normalerweise hat man ja Erfahrungen erst hinterher, hier bekommt man die Chance durch Erfahrungen anderer wirklich Wichtiges zu lernen. Daher nochmal: Danke!
Mit Zitat antworten
  #6  
Alt 11.10.2008, 22:04
4711
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

....ich hätte gern den "Danke" Botu.... wieder!
Mit Zitat antworten
  #7  
Alt 11.10.2008, 22:49
Benutzerbild von Dieter B.
Dieter B. Dieter B. ist offline
Schlauchboot Profi
Treue-Sterne
 
Registriert seit: 19.05.2006
Beiträge: 8.875
Abgegebene Danke: 8.706
Erhielt 8.596 Danke für 2.404 Beiträge
Standard

DANKE, macht mir Mut, einen zweiten Bericht einzustellen


Winke winke, Dieter
__________________
Gruß Dieter, der, der mit seiner Koreapelle absolut glücklich ist!


Mit Zitat antworten
  #8  
Alt 11.10.2008, 23:03
Dicke Lippe
Gast
 
Beiträge: n/a
Blinzeln

Zitat:
Zitat von Dieter B. Beitrag anzeigen
DANKE, macht mir Mut, einen zweiten Bericht einzustellen


Winke winke, Dieter

Du wirst doch nicht pausenlos (fast) absaufen, oder....
Mit Zitat antworten
  #9  
Alt 11.10.2008, 23:07
Benutzerbild von Dieter B.
Dieter B. Dieter B. ist offline
Schlauchboot Profi
Treue-Sterne
 
Registriert seit: 19.05.2006
Beiträge: 8.875
Abgegebene Danke: 8.706
Erhielt 8.596 Danke für 2.404 Beiträge
Standard

Zitat:
Zitat von Dicke Lippe Beitrag anzeigen
Du wirst doch nicht pausenlos (fast) absaufen, oder....
Nö. aber auch interessant - Dieter im Seenebel

Winke winke Dieter
__________________
Gruß Dieter, der, der mit seiner Koreapelle absolut glücklich ist!


Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen


Forumregeln
Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 14:25 Uhr.



Powered by vBulletin® Version 3.8.9 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2026, Jelsoft Enterprises Ltd.
Template-Modifikationen durch TMS
Copyright © - 2012 - www.schlauchboot-forum.com