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Bootfahren in der Praxis Tips für die Praxis des Bootfahrens

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  #1  
Alt 07.08.2006, 09:35
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YunLung YunLung ist offline
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Standard Seenotrettung auf Weser durchgeführt...

Haiho!

Nach all dem Seenot-Gesabbel ( ) in den letzten Tagen (welches ich mir natürlich als pflichtbewusster Skipper schön durchgelesen haben... ) bin ich am Samstag morgen endlich zur ersten Testfahrt nach dem Schlauchdisaster aufgebrochen...

Gegen 11:00 Uhr waren wir in Brake am Slip um auf die Untere Weser zu rutschen...
Meine Frau mit Töchterchen und Schwiegerma waren mit, damit mir nicht zu langweilig wird ( ), die wollten aber zunächst noch durch die Braker innenstadt schlendern, während ich ein paar Heckwellen von Frachtern zum Testen nutzen wollte..

Gesagt, getan, von Brake aus "nur eben schnell" Richtung Hafen Kleinensiel aufgebrochen (laut GPS knappe 7 sm), Vollgetankt hatte ich vorher an der Tankstelle (nachdem ich den doofen Tankstutzen des Gummitanks nicht aufbekommen hatte und noch nach nebenan zu Pitstop laufen musste um mir eine ordentlich Zange zu leihen ), alles andere an Deck war festgezurrt oder verstaut (inklusive meiner Schuhe Bei dem Wetter macht Bootfahren barfuss doch immernoch am meisten Spass....).

Nach etwa 3 sm nahm der Wind aus Nordwest immer mehr zu, sodaß bei auflaufend Wasser und schiebendem Wind ordentlich Welle aufkam (teilweise über 1 Meter von Berg zu Tal) und das Fahren langsam Spass machte.

Mit dem Wind kamen auch immer mehr Segler, die die Fahrrinne kreuzten, daher war teilweise eine etwas langsamere Gangart angebracht.

Kurz hinter Rechtensiel (heisst der Hafen so!?) kreuzt mich ein heftigst Winkender und schreiender Kleinsegler / Jolle, der gerade eine Wende hinter sich hatte. Da mein Force bei 4000 1/min kein Zuhören zulässt ging ich vom Gas und fuhr langsam an den Segler heran, bis ich dann verstanden hatte, daß ich gefälligst ans Westufer fahren sollte und Ausschau nach einem gekenterten Segler halten sollte ...
Etwa auf halben Weg vom Ost- zum Westufer sah ich dann einen Kiel und zwei Menschen, die sich daran festklammerten..

Ich also dorthin und zunächst mal geschaut, was loswar... am westlichen Rand des Fahrwassers trieb ein etwa 5 meter langes Segelboot Kieloben mit (laut Skipper desselben) voll aufgeriggtem Segel unter wasser....

Der Skipper (etwa 60 Jahre alt) war mit seinem Sohn (um 30 Jahre alt) und seiner Frau von Rechtensiel aus ein wenig über die Weser gesegelt, um dann am Westufer anzulanden und mal eben auszutreten. Bedingt durch noch auflaufendes Wasser und wohl nicht komplett abgeriggtes Segel machte sich das Boot unbemerkt vom Ufer weg und lief in die Fahrrinne. Die beiden waren dann wohl hinterhergeschwommen (der Sohn mit Auftriebsweste, der Vater ohne ! ) und als sie versucht haben ins Boot zu kommen, ist das Ding wohl gekentert... Durch Strömung und den recht starken Wind wurden sie dann immermehr in die Fahrrinne gezogen und bekamen das Boot nirgendwo mehr hin.. Warum sie an der Stelle nicht zurück an Land geschwommen sind, kann ich mir nicht so richtig erklären, ich weiß nur, daß der ältere Herr schon ziemlich am Ende seine Kräfte war, als ich dort ankam.

Beim 4. oder 5. Versuch klappte es dann endlich, den Segler so am Sclhauchi zu befestigen, daß ich ihn langsam richtung Westufer zurückziehen konnte... Nach dem 2. oder 3. Versuch habe ich den Skipper an Bord genommen, da er schwimmtechnisch am Ende war. Zunächst hatte ich versucht, ihm eine meiner Rettungswesten runterzugeben, damit er zumindest nicht mehr untergehen kann, diese öffnete sich aber leider während er sie anzog und war dann nur noch als Sitzkissen zu gebrauchen. Ich habe ihm noch eine Zweite runtergegeben, bei der hatte er gerade einen Arm durch, als diese auch aufging (bei der ersten dachte ich noch, er wäre am Seilzug hängen geblieben, bei der zweiten wusste ich dann, daß ich damals AUTOMATIK-Westen gekauft hatte.... Wusste ich bis dato noch gar nicht ) Danach habe ich ihn an Bord geholt.

Nachdem wir beim Schleppen Stehtiefe erreicht hatten (Hüfttiefer Wattschlamm / Schlick dort, echt eklig und SEHR Kräfteraubend !!!), haben wir abgeleint, ich bin mit dem RIB angelandet und auch raus ins Wasser, um den Segler wieder umzudrehen... Nach dem 3. Versuch hat auch das geklappt, wir haben leergeschöpft und alles festgemacht.

Mittlerweile war bereits ablaufend Wasser iingetreten, weshalb ich dann noch Probleme bekam, das RIB wieder vom Schlick runterzukriegen... Aber zu dritt konnten wirs schieben, dann gings!

Dann habe ich die MUtter an Bord genommen, die beiden Männer sind (inlusive Rettungswesten, die sie am Ufer zum Pullern abgemacht hatten ) auf den Segler und ich habe sie noch quer durchs Fahrwasser zurück in ihren Hafen geschleppt...

Hilfe konnten sie nicht mehr wirklich rufen, als das ganze Passiert war, weil das Handy schön wasserdicht verpackt an Bord hing


Alles in allem ist nix weiter passiert, ausser daß ich zwei offene Westen habe und deren Mast etwas krumm ist... Gott sei dank...
Sie hatten wohl nur versucht, das Boot aus der Fahrrinne rauszuhalten, aber sich selbst dabei so in Gefahr zu bringen ist doch irgendwie ungeschickt.. Gott sie dank war in der Fahrrinne zu der Zeit nicht soviel los...

Tja, das was mein Samstach...

Bilanz:

- zwei offene Westen,
- tierischer Sonnenbrand auf Rücken und Schultern
- endlich mal in der Weser gebadet,
- Boot hält dicht und läuft supergut (auch der Force, der alles brav mitgemacht hat
- eine Flasche Mineralwasser verschenkt, weil der Skipper ne Menge Salzwasser geschluckt hatte
- dreckiges / schlickiges Boot, welches ich direkt im Hafen wieder abgeschwammt habe (ist alles wieder gut )
- einmal eine meiner Leinen in die Schraube bekommen (bei Standgas, ist nix weiter passiert !)
- eine stinkige Frau, weil ich statt einer Stunde knapp 3,5 unterwegs war


Und ein gutes Gefühl




MfG,

Chrischan
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  #2  
Alt 07.08.2006, 10:32
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Idrian Idrian ist offline
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Chrischan,

wir Schlauchbootfahrer sind doch gute Menschen. Auch ich hab eine ähnliche Situation erlebt. Wir haben gestern Morgen das Gemini nach Norddeich gekarrt und sind von dort aus rüber nach Norderney. Deine 5-6 Windstärken kann ich bestätigen. Auf der Nordsee ging es ganz schön zur Sache. Aber das erzähl ich alles noch mal in einem separaten Bericht.

Auf der Rückfahrt, so ca 1 sm vor der Einfahrt in den Hafen Norddeich sehe ich auf einmal einen Segler, so ca 8 Meter lang, ausserhalb der Fahrinne. Man muss dazu sagen, dass es so 2 Stunden nach Niedrigwasser war, und die ausgetonnten Fahrrinnen ziemlich genau eingehalten werden sollten zu dieser Zeit. Als ich mich dem Segler näherte um zu fragen ob alles in Ordnung sei, bestätigte sich mein Verdacht. Unter 1 Meter Wassertiefe und 1,5 Meter Tiefgang passen nicht zusammen. Das ältere Paar an Bord wirkte schon ziemlich hektisch. Auch gerade weil ziemlich starker Fährverkehr und die Nordsee dazu noch ziemlich aufgewühlt war.

Ich habe mich dann angeboten einen Freischleppversuch zu starten. Also wurde ein Tampen vom Segler rübergeworfen den ich dann am Niro-Bügel festgemacht habe.

Es blieb allerdings bei einem Versuch. Das Teil saß so fest auf Grund, da war nicht dran zu rütteln. Ich hab dann den Versuch aufgegeben und den beiden geraten doch einfach in Ruhe das auflaufende Wasser abzuwarten da sie nervlich schon einigermaßen fertig wirkten.

Das wollten die beiden dann auch machen. Alles andere wäre an dieser Stelle auch zwecklos gewesen.

Dann kam doch noch eine größere Motoryacht zur Hilfe um abermals einen Freischleppversuch zu unternehmen. Der Skipper warf einen ziemlich dünnen Tampen zum Segler rüber, festgemacht und Vollgas.

Ich dachte noch.....

Es kam wie es kommen musste. Der Tampen riss. Ihr könnt euch nicht vorstellen was das für einen Knall gab. Wie eine Peitsche schlug das abgerissene Ende zurück. Gott sei Dank wurde keiner dabei verletzt.

Auch dieser Versuch wurde dann aufgegeben.

Man einigte auf auf Plan B, eben doch das auflaufende Wasser abzuwarten. Mitlterweile fehlten auch nur noch ca 20 - 30 cm. Wir setzten daraufhin unsere Fahrt in den Hafen fort. Auch wenn wir am Ende nicht wirklich helfen konnten, hatten wir doch ein gutes Gefühl es zumindest versucht zu haben.

Andere Boote fuhren nämlich zur gleichen Zeit achtlos vorbei.
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Gruß Anton

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  #3  
Alt 07.08.2006, 10:33
daniels
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Zitat:
Zitat von YunLung
und Ausschau nach einem gekenterten Segler halten sollte ...
Etwa auf halben Weg vom Ost- zum Westufer sah ich dann einen Kiel und zwei Menschen, die sich daran festklammerten..




MfG,

Chrischan

Chrischan,

ein Lob aus der Abteilung "Sicherheit". Das mit den Rettunsgwesten aufblasen geschieht bei Wasserberührung. Egal ob das Ding im Steuerstand liegt oder im Wasser.
Ich hoffe doch das die Leute die zwei neue "Reparatursets spendieren.

Ansonsten hast Du sicherlich als Schlauchi einen sehr guten Dienst verrichtet. LOB !!!

Für solche Fälle ( wenn dem ohne Westen die Luft ausgeht) haben einige von uns Rettungsringe oder die kleiner Baywatch Bojen an Bord.

Hans



Den Ausdruck "Gesappel" verzeih ich dir noch einmal.
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  #4  
Alt 07.08.2006, 12:11
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YunLung YunLung ist offline
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Naja....

Wie gesagt, ich dachte eben, daß es sich ausschließlich um manuelle Westen handelt.. Daß sie eine Automatik haben, habe ich gar nicht geahnt, sonst hätte ich die gar nicht ins Wasser geschmissen...

Ich glaube tatsächlich, daß ein kleiner Ring o.ä. gar nicht schlecht wären an Bord, mal schauen...

Ach ja: Wir haben Adressen getauscht, eine Rechnung für die Westen soll ich ihm ggfls. zuschicken. Bin aber noch am überlegen, da die Westen eh zur überprüfung gemusst hätten (Letzte Prüfung 2004 ), schaun mer mal...


Ist eben gott sei dank für die Beiden alles gut gegangen, und das ist ja die Hauptsache!



Chrischan
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  #5  
Alt 07.08.2006, 12:19
daniels
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Zitat:
Zitat von YunLung
Ach ja: Wir haben Adressen getauscht, eine Rechnung für die Westen soll ich ihm ggfls. zuschicken. Bin aber noch am überlegen, da die Westen eh zur überprüfung gemusst hätten (Letzte Prüfung 2004 ), schaun mer mal...

Chrischan
Er hats angeboten und das ist ja wichtig.

Ich denke froh war er in jedem Falle und das ist ja auch ein ausreichender Dank.

Hans
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  #6  
Alt 07.08.2006, 12:45
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Zitat:
Zitat von daniels
Den Ausdruck "Gesappel" verzeih ich dir noch einmal.
Hans, der gemeine Norddeutsche sagt sabbeln, nicht sappeln. *klugscheißmoduswiederaufoff
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Gruß Anton

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  #7  
Alt 07.08.2006, 12:51
daniels
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Du willst ja auch nur ein Lob aus der Abteilung "Sicherheit" haben.

Idrian, Du hast auch eine gute Tat vollbracht in dem Du die älteren Herrschaften beruhigt hast.

Hans
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  #8  
Alt 07.08.2006, 13:08
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Dafür, daß uns am Lobe nichts liegt, wollen wir besonders gelobt sein.

Marie von Ebner-Eschenbach
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Gruß Anton

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  #9  
Alt 07.08.2006, 13:23
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Soooo sieddas nimmich auuuus !!!





Übrigens: "Sabbeln" ist richtig, danke Idrian!



Da muss der Daniels noch was lernen



Chrischan
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  #10  
Alt 07.08.2006, 14:31
daniels
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Zitat:
Zitat von Idrian
Dafür, daß uns am Lobe nichts liegt, wollen wir besonders gelobt sein.

Marie von Ebner-Eschenbach
ok, ok, ich habe gerade an Herrn Schütz ein offizielles Dankesschreiben geschickt. Für ne Ehrenbürgerschaft wird es nicht reichen, aber sicherlich für Umsonstkarte für eurer Flussschwimmbad.


Hans
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