Ob Wiking oder Zar oder..oder ..... über Geschmack läßt sich bekanntlich (nicht) streiten.
Ich bezweifle nicht, dass in letzten Jahren die Technik viel weiter gekommen ist und viele Entwicklungen äußerst praktisch sind. Oftmals sind es aber nur sehr geringfügige, eigentlich unwesentlich kleine Fortschritte, die uns als Meilensteine der Geschichte verkauft werden. Viele Dinge werden teuer erkauft, doch der betriebene Aufwand und der Nutzeffekt stehen häufig in keinem vernünftigen Verhältnis - dass kann sich dennoch wirtschaftlicher Erfolg nennen, und letztendlich ist das ja das Ausschlaggebende.
Ob sich in 20Jahren altbewährte Technik erhält ist nicht nur eine Frage der Weiterentwicklung und Forschung. Ich glaube, nicht die Frage der Technik alleine zählt, sondern unsere Meinung und Geschmack sind wesentlich stärker daran beteiligt als wir es glauben wollen. Ein Motor kann eine uralte, bekannte Technik haben. Mit neuer sprachlicher Betonung einiger Bauteile und Eigenschaften und neuem Anstrich wird er ohne weiteres von der Werbung als neuster Schrei verkauft: es kommt nur darauf an, wo der Schwerpunkt angesetzt wird - erfolgreich sicherlich dann nicht bei der Eigenschaft des Spritverbrauchs.
Andererseits darf man nicht vergessen, was Ferdi schon sagte: Die Erwartungshaltung der Sicherheit ist auf dem Wasser viel größer. Und dies zeigt sich auch im Verhalten zu bewährter Technik. Elektronischer Schnickschnack ist nun mal im Verruf, nicht so sicher zu sein wie altbekannte Technik. Die Abhängigkeit von menschlicher Unverlässlichkeit ist immer die größte Fehlerquelle. Beim Sixtanten weiß man aus jahrhundertlanger Erfahrung, dass keine menschliches Versprechen notwendig ist, damit Sterne und Sonne am Himmel bleiben. Bei neuer Technik muss man sich jedoch "blind" darauf verlassen. Neue Technik muss sich bewähren, und das dauert und kann nicht immer in der Simulation erprobt werden.
Ich glaube, oft werden Birnen mit Äpfeln verglichen - wie auch in Bezug auf die Frage nach dem Stauraum. Und ich bin der Meinung, dass der heutige Schlauchbootgeschmack wesentlich stärker eine Frage der Modeerscheinung ist als eine alleinige, persönlich-praktische Entscheidung. Wir glauben zwar, eine persönliche getroffen zu haben, aber letztendlich gehen wir erst nach dem Schönheitsidol, und in zweiter Hinsicht dann der Frage nach, ob man sich den Traum finaniziell und/oder "räumlich" leisten kann.
Stellen wir uns doch zunächst mal die Frage, woher das eigentliche Schlauchboot seinen Zweck und seine spezifischen Eigenschaften hat. Ferner können wir erkennen, dass man versucht Vorteile eines "Joghurtbechers" mit denen eines Schlauchis zu verküpfen: das RIB
Je nachdem, in welche Richtung man tendiert, wird daraus eine krängungs-krankes Schlauchboot, weil man die Reibung der Schläuche ganz vermeiden will und ein andermal eine angebliche unmodische, veraltete oder unwirtschaftliche Technik. Und es ist nun mal Tatsache, dass es Leute gibt, die in den heißen Süden fahren und dort Muskeln und nackte Haut auf dem Wasser zur Schau stellen möchten, und dass andere dagegen einen anderen Zweck beim Bootfahren bevorzugen und dabei weniger frieren wollen oder einen Motoradhelm vermeiden möchten, damit Wind und Regen nicht in die Augen sticht.
Kleine Boote wie 3,5m-4m und dann mit Steuerstand ausgestattet halte ich für Spielerei, denn letztendlich sind solche teilweise nur noch "2Mann"-Boote ... geschweige denn mit Liegewiese. Und die mit Liegewiese sollten schon etwas größer sein als die 5m Kategoriem, denn einen wegklappbaren Steuerstand habe ich noch nicht gesehen, ein Regendach/Verdeck passt auch schlecht darüber - naja, dann bräuchte ich ja keine Liegewiese, wenn die Sonne nicht scheint....

Letztendlich muss jeder selber entscheiden, welchen Verwendungszweck und welche Vorteile er geniessen will.
Ich halte es auch nicht für sinnig, eine Definitionsgrenze zu ziehen, ab wann man nicht mehr von "Schlauchboot" sprechen sollte, z.B. wenn die Schläuche mit Kunststoffkammern ersetzt werden - so was soll es ja auch geben

Denn diese Frage stellt sich ja schon generell bei jedem RIB, wobei zwischen dem ursprünglichen RIB und den heutigen Bauformen Welten liegen. Man könnte sich ja auch fragen, ob ein "modernes" RIB nicht auch als eine neue Bauform oder eine Weiterentwicklung des "Joghurtbechers" betrachtet werden kann.
Mich persönlich befällt schon Zweifel von einem Schlauchboot zu sprechen, wenn dieses bereits bei Rumpfgeschwindigkeit nicht mehr mit den Schläuchen im Wasser liegt oder der Schlauch teilweise nur noch optisch nachgestellt wird. Aber abgesehen davon, dass es nur meine persönliche Meinung ist, denke ich, dass auch solche Meinungen eine Vorstellung prägen, ob Fortschritt und technische Entwicklungen erfolgreich waren oder stattgefunden haben.
Gruß Helge