Zitat:
Zitat von Shelm
Was passiert eigentlich mit der Konformitätserklärung (CE-Bescheinigung) vom Hersteller (der dadurch ja nur die Eigenschaften nach EU-Norm seines Produktes Namens "Sportboot" damit bei der Auslieferung ab Werk bescheinigt.) wenn ich mir später nachträglich Hydrofolis an mein Boot schraube? 
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Fakt ist:
Im Sportbootbereich herrscht einfach noch keine so "harte" gesetzliche Regulierung was die Technischen Vorgaben angeht wie im Straßenverkehr.
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Sehe ich auch so.
Erstmal ist eine CE-Konformitätserklärung keine Zulassung. Sie bestätigt lediglich, dass das Produkt nach bestimmten EU-Normen hergestellt worden ist. Sie muss von demjedenigen ausgestellt werden, der ein Produkt innerhalb der EU erstmalig in Verkehr bringt. Das ist Verbraucherschutz. Es gibt demjenigen der es kauft die Sicherheit, dass das Produkt im Kaufzustand eben diesen Normen entspricht. Nicht mehr und nicht weniger. Es bedeutet auch nicht, dass der Käufer das Produkt nicht verändern darf, der Käufer kann mit seinem Produkt erstmal maches was er will.
Mit Zulassung oder Nicht-Zulassung oder Versicherung hat das bis da hin überhaupt nichts zu tun.
Zum Thema Zulassung:
Nun gibt es also offensichtlich einerseits Behörden, die bei der Zulassung auf CE-konforme Motordaten achten, und andererseits gibt es Behörden die das nicht so eng sehen.
Mein Grabner darf 8 PS, aber alle 8er 4-Takter waren ein paar kg zu schwer, und ich habe damals wirklich alle 3 deutschen Landratsämter am Bodensee bekniet mir das zu genehmigen - keine Chance.
Als ich hingegen vor kurzem mal wieder bei einer Bodenseebehörde (ich meine es war Lindau, kann es aber nicht beschwören) die Frage nach Übermotorisierung mit 80 statt 70 PS gestellt habe wurde mir gesagt, dass sie nicht an die CE gebunden sind. Vielmehr kommt es ausschließkich darauf an wie das der Gutachter sieht, der die Bodenseezulassung des Bootes abnimmt. (Ich würde allerdings befürchten, dass kaum ein Bodensee-Gutachter sich aus dem Fenster lehnen und spürbar mehr als die nach CE empfohlene Leistung abnehmen wird.)
Beim WSA Stuttgart hingegen hätte das niemand interessiert. Da muss man die CE unter bestimmten Umständen nicht einmal vorlegen:
Zitat:
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Wenn Sie darstellen können dass das Boot bereits nach dem 1.4.2006 in Deutschland registriert war, ist die CE-Konformitätserklärung nicht mehr notwendig.
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Quelle.
Aber wie auch immer: Wenn ein Boot eine Zulassung bekommt ist es zugelassen, fertig aus. Die WaPo kontrolliert die Bootspapiere, nicht die CE.
Nun zur interessanten Frage: Was ist mit der Versicherung?
Grundsätzlich würde ich mal sagen: Eine Versicherung die das Risiko kennt das sie versichert, kommt da im Schadenfall kaum raus. Insofern ist es erstmal ein Unterschied ob man "schwarz" eine andere Software im Steuergerät hat, oder ob das Boot mit der tatsächlichen Leistung angegeben, zugelassen und versichert wurde, wobei das mit der "schwarzen" Software wohl kaum einmal herauskommen wird, ohne Verdachtsmoment wird das auch im Schadenfall kaum untersucht werden.
Zweitens stellt sich die Frage inwieweit eine Überschreitung der nach CE empfohlenen Motorleistung ursächlich mit dem Schaden zu tun haben könnte. Wenn man mit einem 300 PS Boot bei 20 Knoten einen Schwimmer überfährt, dann wäre das sicher mit 200 PS genauso passiert. Wenn aber das Boot mit 300 statt 175 PS bei 50 Knoten instabil wird und sich überschlägt, dann hat man sicher schon schlechtere Karten.
Zu all diesen Versicherungsfragen wird es mangels Häufigkeit aber wohl kaum relevante Urteile geben, ansonsten wären diese Urteile in den Foren bestimmt bekannt. Mangels Häufigkeit gibt es vermutlich bei den Versicherern auch eine gewisse Kulanz. Kein Versicherer will in den Ruf geraten, dass er den Versicherten im Schadenfall im Regen stehen läßt, und so kommt es wohl kaum zum Prozess.
So lange es aber diese Prozesse und Urteile nicht gibt, ist die faktische Rechtslage eben leider ungeklärt. Die Versicherer heben zwar pauschal warnend den Zeigefinger, siehe obiges Interwiev, aber wie es vor Gericht wirklich ausgehen würde wissen sie selber nicht, und so lange sie gute Geschäfte machen und die Schadenfälle überschaubar sind legen sie es auch nicht darauf an.
Bei der Garantie hat man vermutlich schlechte Karten: Wenn ein zu starker Motor den Spiegel raus reißt ist der Händler da raus, es sei denn er hat das Boot samt Motor selber so verkauft.